Jobs aus der Dose

von Iris van Baarsen

Angela Merkel sagte in ihrem Sommerinterview, dass Arbeitsplätze, die heute sicher sind, auch für morgen sicher gemacht werden müssen. Bestimmt meinte sie damit nicht die Arbeitsplätze, die es aufgrund der technischen Veränderungen, der immer stärker werdenden Automatisierung und Digitalisierung nicht mehr geben wird, ja, die es bereits heute schon nicht mehr gibt. Denn es steht fest, dass wir Menschen bis zu einem gewissen Grad von Maschinen ersetzt werden.

Aber war das nicht schon immer so?

Denken wir zurück an die vielen technischen Erfindungen, die unseren Arbeitsalltag so viel leichter gemacht haben, und uns gleichzeitig auch überflüssiger werden ließen. Mir fällt spontan die Schreibmaschine ein, der Computer, Softwareprogramme, die für uns rechnen und 3D Grafiken erstellen. Oder denken wir an die Erfindung des Barcodes, ohne die es entweder Tausende von Kassiererinnen und Kassierer mehr geben würde, oder eben kilometerlange Schlangen vor den Kassen. Das Industriezeitalter hat riesige Maschinen und Roboter hergestellt, die in der Autobranche, dem Baubewerbe, der Energieversorgung oder der Land- und Forstwirtschaft (mit dieser Aufzählung könnte ich noch lange weitermachen) die Arbeit von Tausenden von Menschen übernommen haben. Ein Fakt.
Genauso wie der Fakt, dass die Arbeitslosenquote in Deutschland unter sechs Prozent liegt, was eine der niedrigsten in Europa ist.  

Wenn nun also Jobs aufgrund der Digitalisierung wegfallen, dann können wir natürlich die Politik dafür verantwortlich zu machen, was gerade jetzt so kurz vor dem Wahlkampf, immer wieder ein beliebtes Spiel der jeweiligen Gegenpartei ist. Wir könnten ebenso die Erfinder der Digitalisierung zur Verantwortung zu ziehen. Nur wer ist das?
Nun ja, in Persona sind das wohl all die Ingenieure, Techniker, Informatiker, Mathematiker, Chemiker und Co., die uns mit ihren Erfindungen zwar das Leben erleichtern, doch was ist das für ein Leben, wenn wir keine Arbeit haben und damit kein Geld, um unser Leben zu finanzieren? Sie erkennen, wir drehen uns im Kreis.

Schlauer stellen es da schon andere an, die kreativ sind und auch ganz persönlich darüber nachdenken, welche Chance ihnen die Digitalisierung - und kein Mensch glaubt ja ernsthaft sie wäre noch aufzuhalten – bieten kann.

Nehmen wir das Start-up Unternehmen KIWI, die mit ihrem schlüssellosen Zugangssystem, sämtliche Türen in ihrem Haus verwalten können. Ohne die Digitalisierung wäre hier nichts entstanden. Oder 6Wunderkinder, die mit ihrer (Einkaufs-) Wunderliste Microsoft so beeindruckt haben, dass dieser sich die junge Firma zu eigen machte. Überhaupt, hat jemand mal recherchiert welchen wirtschaftlichen Einfluss Apps auf unser Leben haben, wie viele Jobs dadurch entstanden sind? Schauen wir uns das Superhirn Watson an, ein Computerprogramm von IBM, das mittlerweile in über 45 Ländern eingesetzt wird und Menschen im medizinischen Bereich unterstützt, in der Versicherungsbranche, in der Cyber Security Branche, genauso wie in Anwaltskanzleien und Wirtschaftsprüfungsunternehmen. Diese künstliche Intelligenz hilft uns Fehler zu vermeiden, schneller zu werden und ersetzt menschliche Arbeitskraft. Nicht ausschließlich, aber in Teilen.

Man könnte also die Liste derer, die durch Technik, Innovation und Digitalisierung ihren Job verloren haben mit der Liste derer vergleichen, die durch Technik, Innovation und Digitalisierung neue Jobs bekommen haben. Es liegt an uns und an jedem einzelnen von uns, aus welcher Perspektive wir die Zukunft angehen wollen. Die Angst vor der Digitalisierung trifft diejenigen, die nach Sicherheit streben und die Routine lieben, was verständlich, aber wenig hilfreich ist. Doch eine endgültige Sicherheit gibt es nicht.

Zurück