Was passiert, wenn man(n) eine Bank aus der Liebe der Seele führt!

von Iris van Baarsen

Einen tieferen Sinn in dem was wir tun zu entdecken, uns selbst bewusst zu werden wer wir sind und zu welchen Handlungen wir fähig sind, ist eine tiefe Sehnsucht und eine Suche von vielen Menschen. Diese Befriedigung im Job zu finden und auszuleben zu können, ist dagegen ein seltenes Ereignis. Selten, aber nicht unmöglich. Denn möglich ist es bei der Sparda-Bank München eG.
Ausgerechnet bei einer Bank.

Vieles was in anderen Banken oder auch anderen Finanz- und Wirtschaftsunternehmen sonderbar wäre, tut Helmut Lind einfach. Wobei einfach dieser Weg für den „alten Genossenschaftler“, wie er sich selbst gerne bezeichnet zu Beginn seiner Vorstandskarriere nicht war. Ganz im Gegenteil.

2008, also kurz vor der Finanzkrise wurde in der Sparda-Bank München eG. die Stärkenorientierung als Personalentwicklungsinstrument und neue Sichtweise eingeführt. Es ging zunächst darum, dass jeder Mitarbeiter sich seiner fünf größten Stärken (Grundlage Clifton Strengths-Finder Instrument) bewusstwird, in Resonanz geht und für sich herausfindet, wer er wirklich ist. Dabei ging und geht es weniger um die fachlichen Stärken. Es geht um den Menschen, um die Persönlichkeit, um Interessen. Ohnehin unterscheiden sich die Weiterbildungsthemen mit Werte-, Sinn- und Beziehungsmanagement von den üblichen Aus- und Weiterbildungsangeboten in der Branche, denn Helmut Lind geht es um ein tieferes Verständnis. Für sich selbst und seine Umgebung. 

Aus dem Kopf heraus zu kommen und auf die tieferen Ebenen zu gelangen“, das ist es, worum es ihm geht und er weiß wovon er spricht. „Ich war früher perfekt organisiert. Ich las 50 Bücher im Jahr, stand morgens um vier Uhr auf, ging joggen, kam aus einer eher rastlosen Welt. Ich war erfolgreich, aber nicht erfüllt.“ Doch die innere Erfüllung wollte Helmut Lind spüren, nicht nur dann, wenn sich beim Joggen irgendwann das Flowgefühl einstellt, oder man im Urlaub entspannt am Meer sitzt, hinaus auf die Wellen blickt und ein tiefes Gefühl des Friedens in sich wahrnimmt. Helmut Lind wollte dieses Gefühl mit in seinen Alltag nehmen und auch mit in „seine“ Bank. 

Heute, nach zehn Jahren hat er es geschafft. Dabei sind Preise wie zum zehnten Mal in Folge „Deutschlands Beste Arbeitgeber“ von Great Place to Work Deutschland ausgezeichnet zu werden, höchste Kundenzufriedenheit zu erreichen, die NaturTalent Stiftung, sowie eine Bilanzsumme von über sieben Milliarden Euro im Jahr 2016 und fast 300.000 Mitglieder, nur die eine Seite der positiven Medaille. Die andere Seite erlebt Helmut Lind häufig in internen Seminaren. Seit 2015 investiert der Vorstandsvorsitzende persönlich sehr viel Zeit in zweitägige Dialog-Workshops mit allen Mitarbeitern der Bank, in denen er mit ihnen über Achtsamkeit, aber auch die Zukunft der Bank spricht. Den Mitarbeitern stellt er für einen Banker eher ungewöhnliche Fragen wie: Wie weit bist Du in Kontakt mit deinem inneren Vermögen? Bist Du in Kontakt mit Deiner Seele oder hast Du Dich zu weit entfernt? Auch bei der Stellenbesetzung fragt die Bank zuerst: Wofür brennst Du? Was ist Deine Leidenschaft?

Immer mehr Führungskräfte der Bank machen eine Ausbildung zum Transpersonalen Coach, wobei Transpersonal bedeutet, über das eigene Ich hinaus gehen zu können, also raus aus dem Verstand, sich nicht vom Ego leiten lassen, sondern mehr aus einem tieferen Gesamtverständnis heraus zu agieren. Für Banker eine große Herausforderung und gleichzeitig tolle Chance Führung und Mitarbeiterführung aus einer anderen Haltung heraus zu leben. 

Aber wie gesagt, leicht war der Weg nicht und leicht hat er es anderen auch nicht gemacht. 

2011, als sich die Banken immer noch in der Finanzkrise befanden, präsentierte Helmut Lind seine erste Gemeinwohl-Bilanz. In dieser Bilanz geht es um Menschenwürde, um Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung & Transparenz. Aktuell arbeitet die Bank an ihrer vierten Gemeinwohl-Bilanz und bis heute ist die Sparda-Bank München, die einzige Bank in Deutschland, die ihr werteorientiertes Handeln in einer Gemeinwohl-Bilanz misst. Aber vielleicht folgen irgendwann auch andere Banken. Nicht wegen des Images, nicht wegen der möglichen Mitarbeiterbindung, sondern aus Überzeug heraus, dass sich in einer freien Marktwirtschaft, ein ethisches Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell am Gemeinwohl ausrichten lässt und man dabei gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreich sein kann. 

Helmut Lind ist auf jeden Fall davon überzeugt, dass das „Alte“ nicht mehr funktionieren kann, dass Beschleunigung und Komplexität zu hoch sind, das Kosteneinsparungen und Downsizing Modelle nicht die Lösung bieten, die wir brauchen. „Du brauchst eine Polarität auf der anderen Seite und die heißt Freiheit, Entschleunigung, Stille und Achtsamkeit. Achtsamkeit ist die höchste Form von Effizienz. Du machst weniger und bewirkst mehr.“ 

Früher, meint er, hätte ihm keiner zugehört, heute wird er zu Vorträgen und Reden eingeladen, ist auf Unternehmertagungen und Kongressen ein gern gesehener Gast. „Das sind Signale, an denen merke ich, die Welt hat sich verändert, da ist irgendwo eine Resonanz.“

Dabei ist Helmut Lind keiner, der von der Kanzel herunter predigt. Er selbst geht in Resonanz mit dem, was er bei sich spürt, bittet seinen Coach regelmäßig und Feedback und Unterstützung. Sein wichtigstes Instrument sagt er, ist: „Achtsamkeit, Transpersonales Management, Transpersonales Coaching und Reflektion. Das, was uns am Ende stark macht, ist, ob wir eine hohe Kohärenz zu unseren Werten haben, den Respekt der Einzigartigkeit untereinander und ob wir uns wirklich beziehungsmäßig begegnen, oder nur im Kopf“.

Als oberste Führungskraft dieser Bank ist Helmut Lind mit seiner persönlichen Entwicklung immer noch nicht fertig, lernt immer noch dazu und das ist spürbar und macht Mut, sich auf seinen eigenen Weg zu begeben. 

 

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